FKT-Online-Seminar: Sektorenkopplung im Krankenhaus

Eine Entkopplung von Energie-Erzeugung und -Verbrauch ist nicht nur Hebel für eine möglichst nachhaltige Versorgung von Gesundheitseinrichtungen mit Strom und Wärme. Zusätzlich können entsprechende Technologien die Handlungsfähigkeit Kritischer Infrastruktur im Krisenfall sicherstellen.

In anderen Ländern sei Letzteres bereits Sate of the art, in Deutschland dagegen noch unüblich, sagte Christoph Hörst, Vertriebsleiter Dezentrale Energiesysteme bei 2G, im FKT-Online-Seminar: „Sektorenkopplung im Krankenhaus – Strategische Integration von BHKW und Wärmepumpen in Verbindung mit Erneuerbaren Energien“. Hierzulande deckt in erster Linie nach wie vor das klassische Dieselaggregat die Gefahrenlage Stromausfall ab.

Energie in großem Stil speichern

Grundlage für die Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch sind optimal dimensionierte Energiespeicher – Batterien und großzügige Warmwasserpuffer. Diese rasch voranschreitenden Technologien ermöglichen es Krankenhäusern, von den künftig volatilen Energiepreisen zu profitieren und gleichzeitig möglichst autark zu agieren. In Hochpreisphasen könnten Krankenhäuser Energie ins Netz einspeisen und in Niedrigpreisphasen – falls erforderlich – billigen Strom beziehen und speichern. Wurden PV, KWK, Wärmerückgewinnung und andere „Energieerzeuger“ bisher oft als Inselsysteme betrieben, sieht Hörst den größtmöglichen Nutzen im Zusammenspiel dieser in vielen Krankenhäuser bereits vorhandenen Anlagen. Als zusätzliche Komponente bringt er die Wärmepumpe sowie eine intelligente Regelung sämtlicher Energieerzeuger in einer multivalenten Energiezentrale ins Spiel.Besondere Bedeutung kommt hier dem Speichermanagement zu.

Resilienz in der Krise

Einen weiteren großen, bisher jedoch komplett vernachlässigten Nutzen sieht der Energieprofi in der Resilienz, die diese Systeme für ihre Betreiber erzeugen könnten. Bisher werden Blockheizkraftwerke, PV-Anlagen und andere Energieerzeuger in der Regel allerdings so konzipiert, dass sie das öffentliche Stromnetz zum „Aufsynchronisieren“, quasi als Plusgeber, brauchen. Mit nur wenig Mehraufwand können teils bestehende Anlagen und Neuanlagen sowieso für einen autonomen Betrieb ertüchtigt werden und ihre Betreiber damit völlig unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung machen. Batterie- und Wärmespeicher stellen das Weiterfunktionieren eines Krankenhauses bei einem längeren, womöglich großflächigen Stromausfall zusätzlich sicher. „Darüber hinaus können Sie mit dieser technischen Performance jederzeit zur Netzstabilisierung und damit zur Versorgungssicherheit beitragen. Auf dem sogenannten Kapazitätsmarkt lässt sich auch damit Geld verdienen“, erklärte Hörst und fügte gleich noch einen weiteren Sicherheitsaspekt hinzu: „Mehr kleine dezentrale Energiezentralen sind weniger anfällig für gezielte Angriffe oder Defekte als wenige große. Die Ukraine nutzt dieses Prinzip bereits erfolgreich.“

Ganz ohne Gas klappt es noch nicht

Der einzige Haken, oder vielleicht auch nur ein Häkchen ist, dass BHKWs nach wie vor mit fossilen Brennstoffen, in der Regel Erdgas betrieben werden. Den Umstieg auf Wasserstoff oder Biogene Brennstoffe ist zwar möglich jedoch noch mit höheren Kosten für den Betrieb verbunden. Noch sei die Erzeugung von z.B. Wasserstoff zu ineffizient und damit teuer. Ein alternativer Ansatz ist eine All Electric-Strategie zur Dekarbonisierung der Energiewirtschaft. Dafür stehe aber gerade in den Wintermonaten derzeit noch nicht genug regenerativ erzeugter Strom zur Verfügung. Bis das gewährleistet sei, biete ein gut geregeltes Zusammenspiel aus PV, KWK, Wärmepumpe und optimal dimensionierten Speichern vor allem Kliniken mit ihrer speziellen Verbrauchssituation eine perfekte Lösung, für eine möglichst wirtschaftliche und gleichzeitig weitgehend klimaschonende Energieversorgung.

Plug and Play

Vorgefertigte Containersysteme, die praktisch im Plug and Play-Verfahren an die Kliniken andocken, machen diese innovativen Technologien heute schnell, sauber und ohne großen baulichen Aufwand verfügbar. Hören Sie mehr dazu auf der diesjährigen Fachmesse Krankenhaus Technologie mit Fachtagung Technik im Gesundheitswesen am 30.9. und 1.10 in Gelsenkirchen.

Maria Thalmayr

> Hier geht es zur Aufzeichnung

Die Präsentation zum Webinar kann unter fkt@fkt.de angefordert werden.