FKT-Online-Seminar: Sicherer Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien
Gerade in sensiblen Einrichtungen wie Krankenhäusern sollte das Handling von Lithium-Ionen-Batterien klar geregelt und entsprechend abgesichert sein. Das Risiko von Thermal Runaways – unkontrollierbare, chemische Kettenreaktionen in Batterien, die zu Bränden und Explosionen führen können– ist real und muss gemanagt werden.
Längst sind sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Lithium-Ionen-Batterien versorgen unsere Smartphones, Tablets, Notebooks, Fahrräder, Autos, medizinische und viele andere Geräte mit Energie. Was sie für uns so nützlich macht – eine schnelle Aufnahme und effiziente Speicherung von Strom – erzeugt als Kehrseite der Medaille Risiken: Defekte, oft verbunden mit einem Überladen, können Kurzschlüsse und damit Explosionen und/oder Brände mit extrem hohen Temperaturen auslösen.
Sicherheit durch klare Regeln
Auch zu Hause sollte man daher seine Akkus nicht unbeaufsichtigt oder, wenn doch, auf nicht brennbaren Materialen wie Fliesen oder Metall laden und dabei von Brandlasten fernhalten - Letzteres gelte vor allem für die oft relativ groß dimensionierten Speicher für PV-Energie. Im Sinne der Sicherheit sollten nur Original-Ladegeräte verwendet, Überladungen vermieden und Geräte „mit Macken“ oder defekte Ladekabel nicht weitergenutzt werden. Noch mehr als für den privaten Bereich gelte das für den Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien in Kliniken, betonte der Brandsachverständige und Leiter des FKT-Projektes Brandschutz im Krankenhaus, Marc Schlicksupp, beim FKT-Online-Seminar „Brand- und explosionsgefährlich: zum sicheren Umgang Lithium-Ionen-Batterien“.
Akkus sollten hier ausschließlich in entsprechend abgesicherten Bereichen geladen und gelagert werden. „Schaffen Sie am besten zentrale, gut überwachte Ladezonen und Lager“, empfiehlt Schlicksupp. Ob und wo das Klinikpersonal auch private Geräte, Fahrräder, Roller, Autos, … laden darf, sollte ebenfalls eindeutig festgelegt sein. Mitarbeitende sowie auch Patienten müssen für die von Akkus ausgehenden Risiken sensibilisiert und auf die Regeln für deren sichere Nutzung hingewiesen werden.
Sicherheit braucht Kümmerer
Diese wichtigen Aufgaben brauchen einen „Kümmerer“. Jemand muss für das Sicherheitsmanagement von Lithium-Ionen-Batterien in Kliniken zuständig sein, sinnvolle Regel aufstellen und deren Umsetzung durch angemessene Vorkehrungen ermöglichen. Grundlage für diese Vorkehrungen ist eine Bestandsaufnahme sämtlicher eingesetzter Batterien sowie eine Analyse der von ihnen ausgehenden Risiken gemäß DGUV 205-041. Getroffene Maßnahmen und Unterweisungen müssen ebenso wie die regelmäßige Überprüfung von Geräten, Akkus und Ladekabeln - maßgeblich ist hier DGUV 3 - dokumentiert werden. Defekte Geräte und/oder Akkus müssen deutlich gekennzeichnet, sofort aus dem Verkehr gezogen und bis zur endgültigen fachgerechten Entsorgung in Quarantäne genommen, im Idealfall in einem Brandschutzschrank aufbewahrt werden. Der Umgang mit defekten Akkus sollte durch einen vorgegebenen Prozess klar definiert sein. Um vor die Lage zu kommen, brauchen Kliniken außerdem Notfall-Pläne für Akku-Vorfälle.
Die im Anschluss an das Online-Seminar gestellten Fragen machten deutlich: Da tut sich ein großes, in vielen Kliniken brach liegenden Feld auf. Mit dem rapide voranschreitenden Einsatz von Mobile Divices sollte es zügig bestellt werden.
Maria Thalmayr