FKT-Online-Seminar: Machbare Nachhaltigkeit
59 Prozent der Verantwortlichen in Gesundheitseinrichtungen sehen in ihren Häusern ein hohes Einsparpotenzial beim Energieverbrauch. 82 Prozent der Kliniken in Deutschland verfügen jedoch über zur wenig Mittel, um entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Diese Zahlen stehen für das Dilemma einer ganzen Branche beim Thema Nachhaltigkeit: Die Notwenigkeit ist klar erkannt – allein es fehlt an Zeit und Geld dieses bislang vielfach als „Nice to have“ betrachtete Thema systematisch anzugehen.
Blickt man auf die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser, auf die steigenden Energiekosten sowie den zurückliegenden Sommer, der uns überdeutlich vor Augen geführt hat, wohin uns unsere Untätigkeit beim Thema Nachhaltigkeit führt, wird schnell klar, dass wir es uns auf Dauer nicht weiter leisten können, ausgerechnet an diesem Thema zu sparen. Ins Handeln kommen und Maßnahmen identifizieren, die mit möglichst wenig Aufwand schnell einen größtmöglichen Nutzen erzielen - wirtschaftlich und ökologisch -, ist das erklärte Ziel von mirasu-Gründerin Dr. Mia Feldmann und Pius Köder vom Startup GRÜNKERN Consulting. Beim FKT-Online-Seminar „Machbare Nachhaltigkeit - die wirksamsten Maßnahmen in Technik und Infrastruktur von der Auswahl bis in die Umsetzung“ erörterten sie wirksame Hebel und wie man Umsetzungshürden elegant umschifft.
Nicht alles auf einmal wollen
„Eine erfolgreich umgesetzte Maßnahme, schlägt fünf angefangene“, lautet eine dieser Regeln. Also: Lieber eine Maßnahme nach der anderen als zehn gleichzeitig angehen. „Immer erst eine perfekte Datenbasis abzuwarten, bevor man startet, kostet unnötig Zeit“, führte Feldmann weiter aus. Gleichwohl seien nachweisbare Erfolge eine unverzichtbare Voraussetzung für das Zustandekommen von Maßnahmen, die erst einmal Investitionen erfordern. Helfen kann hier eine speziell dafür trainierte KI. Mit den Erfahrungen aus einer Best Practice Datenbank ermitteln Algorithmen für ihre Nutzer wirksamste Maßnahmen, berechnen deren ROI, erstellen Projektfahrpläne und spiegeln in laufenden Projekten den jeweils aktuellen Stand.
Nachhaltigkeit muss nachweisbar sein
Bisher eher diffuse Fortschritte und Projekterfolge werden damit transparent und kommunizierbar. Das sei nicht nur für die interne Supervision und Argumentation wichtig, führt Feldmann weiter aus. Nach der EmpCo-Richtlinie (EU 2024 / 825 – Empowering Consumers for the Green Transition) dürfen sogenannte Green Claims wie „Der Schutz der Umwelt gehört zu unseren Unternehmenszielen“ zukünftig nur noch verwendet werden, wenn diese Aussagen nachweisbar sind. Handlungsdruck erzeuge ferner die ISO 50001, die eine Kette klar dokumentierter Maßnahmen mit kontinuierlicher Verbesserung verlangt.
Effiziente Wertschöpfungsketten schaffen
Die Wertschöpfungskette für jede eingesetzte Kilowattstunde Energie müsse daher möglichst lückenlos sein. Mit diesem erklärten Ziel spürt Pius Köder gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Krankenhäusern Verlusten nach, identifiziert entsprechend – bezifferbare – Einsparpotenziale und setzt die notwendigen Maßnahmen um. Er passt Luftwechselraten - zum Beispiel außerhalb der OP-Zeiten - an, schließt Leckagen in Lüftungsanlagen, kümmert sich um Frequenzumrichter, zeitgemäße Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung und Ventilatoren. Er reguliert Vor- und Rücklauftemperaturen sowie Drehzahlen und verbessert im Sinne einer optimierten Beschaffung auch das Lastenmanagement. Allein durch einen optimierten und an den tatsächlichen Bedarf angepassten Anlagenbetrieb könnten in den meisten Kliniken 15 bis 40 Prozent der aktuellen Energiekosten eingespart werden. Das größte Einsparpotenzial böten darüber hinaus Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Energie gar nicht erst verbraucht wird: Eine wirksame Verschattung von Gebäuden, Dämmmaßnahmen, …
Zahlreiche Hebel
Große Hebel für mehr Nachhaltigkeit bieten neben der Energie- und Gebäudetechnik die Bereiche Wasser und Medien, insbesondere Spülprozesse, Druckluft- und Dampferzeugung. Abfall und Mehrwegsysteme sowie die Beschaffung und Verpflegung bergen ebenfalls große Einsparpotenziale, die mit wenig Aufwand und entsprechend kurzen Amortisationszeiten realisiert werden können.
Wichtig für die klammen Krankenhäuser: „Nutzen Sie Fördermittel! Fast jede Maßnahme kann zumindest zum Teil über Zuschüsse finanziert werden“, sagt Köder.
Maria Thalmayr
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Die Präsentation zum Webinar kann für Mitglieder unter fkt(at)fkt(dot)de angefordert werden.