FKT-Online-Seminar: Mehrwert Ruhe

55 bis 70 dB sind heute gängige Schallpegel in Fluren, Intensivstationen, OPs und anderen Krankenhausbereichen. Wo ohnehin vielfach belastete Menschen 24/7 konzentriert arbeiten, vertrauliche, gut verständliche, weil wichtige, Gespräche führen oder von schweren Krankheiten genesen sollten, ist es so laut wie direkt neben einer Kreissäge – den ganzen Tag.

Der sogenannte Flurfunk bekommt in diesem Kontext eine völlig neue, im wahrsten Sinne des Wortes weitreichende Bedeutung. Flure wirken akustisch wie Tunnel. Gespräche oder Geräusche an einem Ende des Flurs werden über Decken und Wände reflektiert und landen damit als lästige Störgeräusche in gestressten Hörorganen am anderen Ende. Dasselbe geschieht in OPs, Kantinen, Pausenräumen und ganz besonders in Zentralsterilisationen, Großraumbüros, …

In Krankenhäusern wird es immer lauter

 In den letzten 50 Jahren habe die Lärmbelastung in Kliniken kontinuierlich zugenommen, erklärte Dr. Achim Klein beim FKT-Online-Seminar „Mehrwert Ruhe - Verbesserte Raumakustik in Gesundheitseinrichtungen“. Grund dafür seien gestiegene Hygieneforderungen, einhergehend mit dem Einsatz zunehmend schallharter Materialien, der vermehrte Einsatz von medizinisch-technischen Geräten, die allesamt mehr oder weniger bedeutsame Geräusche von sich geben, und dazu sind immer mehr Mitarbeiter und Besucher in den Krankenhäusern unterwegs.

Lärm macht krank

Diese Gemengelage führt in den schallharten Umgebungen zu dem bekannten Lombard- oder Kneipen-Effekt. Ist es laut, muss man lauter sprechen, um verstanden zu werden, und weil dadurch der Geräuschpegel zunimmt, muss man noch lauter sprechen, … ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Denn: „Lärm ist aufgrund eines erschwerten Sprachverständnisses nicht nur eine Fehlerquelle. Die kognitive Leistung, Betriebs- und Arbeitsqualität werden herabgesetzt. Noch schwerer wiegen die Auswirkungen auf die physische wie psychische Gesundheit“, führte der für Ecophon aktive Konzeptentwickler für Raumakustik weiter aus. Lärm kann irreversible Hörschäden verursachen, wirkt als Stressfaktor tief in die Psyche, kann Erschöpfungszustände, Herz- Kreislauferkrankungen sowie andere somatische Symptome auslösen, er schwächt das Immunsystem und verlängert die Erholungsdauer – Effekte, die wohl nirgends unerwünschter wären als in Gesundheitseinrichtungen. Das Arbeitsschutzrecht legt entsprechend Grenzwerte fest, die in vielen Krankenhäusern jedoch - bei Weitem! - nicht eingehalten werden.

Die Akustik macht den Unterschied

Mögliche Maßnahmen zur Lärmreduktion umfassen sowohl organisatorische Maßnahmen als auch auf technischer Ebene den gezielten Einsatz schallabsorbierender Materialien. Besonders wirksam sind akustische Lösungskonzepte, bei denen Decken und Wände gezielt mit sogenannten Schallabsorbern ausgestattet werden. Längst seien diese auch in hygienetauglichen Ausführungen erhältlich. Die Absorber verhindern, dass sich Schall durch Reflexion ausbreitet, senken damit den Geräuschpegel und verkürzen zudem die Nachhallzeit.

Auch wenn die Geräuschpegelreduktionen in den von Klein vorgestellten Beispielen auf den ersten Blick nach nicht sehr viel klingen, machen 5 dB weniger in der Praxis einen deutlichen Unterschied. Da die Dezibelskala nicht linear verläuft, bedeutet eine Abnahme um 5 dB bereits eine spürbare Verringerung der Lärmbelastung. Gerade in Bereichen wie Zentralsterilisationen oder OP-Fluren kann dies die Arbeitsbedingungen, die Vertraulichkeit von Gesprächen, den Aufenthaltskomfort und die Gesundheit positiv beeinflussen.

Maria Thalmayr

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Die Präsentation zum Webinar kann für Mitglieder unter fkt(at)fkt(dot)de angefordert werden.