Bewahrerin der Sicherheit: Krankenhaustechnik erlebt einen einschneidenden Wandel
„Das Berufsbild des Technikers im Krankenhaus verschiebt sich hin zu Architekten und Betreuern lernender, selbstständig agierender Systeme. Techniker werden damit integraler Bestandteil des medizinischen Handelns und übernehmen eine wachsende Rolle als Bewahrerin der Sicherheit.“
Im Ausblick auf seine Keynote auf der 7. Fachmesse Krankenhaustechnologie mit Fachtagung Technik im Gesundheitswesen am 30.9. und 1.10 in Gelsenkirchen erörtert Pof. Jochen A. Werner im Interview mit Maria Thalmayr, wie Technik die Medizin der Zukunft mitgestalten kann und muss:
Auf welche Innovationen und Veränderungen sollten sich Krankenhaustechniker schnell einstellen?
Krankenhaustechniker stehen heute an der Schwelle zu einem technischen Wandel, der sehr viel mehr ist als ein digitales Upgrade. Die wichtigsten Veränderungen betreffen vor allem die zunehmende Intelligenz der technischen Systeme. Künstliche Intelligenz wird in Diagnostik, Monitoring und im gesamten Workflow-Management eine zentrale Rolle übernehmen. Dadurch wachsen die Anforderungen an Datenqualität, Interoperabilität und Cybersicherheit erheblich. Gleichzeitig wird die sensorische Infrastruktur immer dichter: vernetzte, kabelgebundene und kabellose Sensorik im Krankenhaus und im häuslichen Umfeld werden Standard. Auch robotische Systeme – vom Assistenzroboter bis zur Logistik – werden die Versorgung nachhaltig prägen. Diese Entwicklungen verschieben das Berufsbild der Techniker hin zu Architekten und Betreuern lernender, selbstständig agierender Systeme, die integraler Bestandteil des medizinischen Handelns werden.
Wie kann Technik den medizinischen Betrieb optimal unterstützen wo sehen Sie die Technik als Bewahrerin und Hüterin der Sicherheit?
Technik kann den medizinischen Betrieb dabei auf zweifache Weise unterstützen. Zum einen, indem sie Prozesse stabilisiert und Personal entlastet. Automatisierte Dokumentation, intelligente Medizingeräte, digitale Pflegeunterstützung oder Transportrobotik geben wertvolle Zeit zurück, die direkt den Patienten zugutekommt. Zum anderen übernimmt Technik eine wachsende Rolle als Bewahrerin der Sicherheit. Sie erkennt Risiken frühzeitig, verhindert Ausfälle, schützt sensible Daten und gewährleistet die Qualität kritischer Infrastrukturen. In einer immer stärker digitalisierten Medizin wird die technische Integrität zu einem zentralen Schutzraum – für Patientensicherheit ebenso wie für das Personal, das auf zuverlässige Systeme angewiesen ist.
Wie sieht Ihre Vision eines Hospital at Home aus? Wie smart müssen Wohnumgebungen und Krankenhäuser künftig sein?
Meine Vision eines „Hospital at Home“ ist ein Versorgungssystem, das die Qualität der Klinik dorthin bringt, wo Menschen leben. Das Zuhause wird nicht zum Krankenhaus, vielmehr wird die Technik so integriert, dass sie den Alltag kaum stört und dennoch jederzeit verlässliche medizinische Informationen liefert. Dazu gehören intelligente, fast unsichtbare Sensoren, Telemedizin, sichere und permanente Datenverbindungen sowie interoperable Geräte, die sich nahtlos in klinische Abläufe einfügen. Gleichzeitig wird das Krankenhaus selbst smarter: weniger stationäre Aufenthalte, mehr telemedizinische Leitstellen, mehr KI-gestützte Entscheidungen. Insgesamt entsteht ein hybrides System, in dem Wohnumgebung, Klinik und digitale Plattformen ineinandergreifen. Entscheidend ist, dass smarte Technik den Alltag der Menschen nicht belastet, sondern ihnen ermöglicht, länger selbstbestimmt zu leben – gerade im Alter.
Was macht Technik für Sie menschlich?
Technik wird für mich dann menschlich, wenn sie Beziehungen stärkt und Menschen mehr Zeit miteinander ermöglicht. Menschliche Technik unterstützt, ohne zu dominieren. Sie erleichtert Entscheidungen, ohne sie abzunehmen. Sie gibt Sicherheit, ohne ein Gefühl von Überwachung zu erzeugen. Vor allem aber macht sie Autonomie möglich: die Freiheit, so viel wie möglich selbst zu bestimmen und gleichzeitig gut versorgt zu sein. Wenn Technik dazu beiträgt, dass Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für Zuwendung haben, dann erfüllt sie ihren tiefsten Zweck. Menschliche Technik bleibt im Hintergrund – und schafft dort die Voraussetzungen dafür, dass Humanität im Vordergrund stattfinden kann.
Auf der 7. Fachmesse Krankenhaus Technologe mit Fachtagung Technik im Gesundheitswesen am 30.9. und 1.10 in Gelsenkirchen erörtern Prof. Jochen Werner und andere technische Vordenker und Praktiker, was Technik als zentraler Hebel für Qualität, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu einem leistungsstarken Gesundheitswesen beitragen kann. Informationen zum Programm finden Sie in unserem wachsenden Messereport.