Online-Seminar: Infrastrukturelle Stromversorgung sicher betreiben
Mit zunehmender Technisierung haben sich die Anlagen der Infrastrukturellen Stromversorgung in Krankenhäusern in den zurückliegenden 20 bis 30 Jahren vervielfacht. Das zugeordnete Regelwerk explodierte im selben Maße und macht den (rechts-) sicheren Betrieb der klinischen Lebensadern zu einer diffizilen Angelegenheit.
Besondere Verantwortung für eine zuverlässige, leistungsstrake und rechtskonforme Stromversorgung trägt in Krankenhäusern neben dem Betreiber die Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK). Sie agiert in einem, allen Technikverantwortlichen bestens bekannten Spannungsfeld: Kostenträger und Planer achten auf Ausgaben, Termine, und damit eine möglichst minimalistische Einhaltung der Vorschriften. Betreiber streben eine möglichst sichere Konzeption, Wartungsfreundlichkeit, Übersichtlichkeit, Funktionalität sowie Redundanzen für Wartungen und Störungen an.
Alle Beteiligten mitnehmen
Dieser klassische Konflikt zwischen Invest und Betrieb erfordert eine rechtzeitige Abwägung und Integration aller Interessen und Aspekte in möglichst frühen Planungsphasen. Dazu gehört nicht zuletzt ein Durchdenken von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sowie möglichen Störfällen mit Lösungsansätzen zur Behebung bereits bei der Konzeption der Anlagen. Auch für den späteren Krankenhausbetrieb mit laufenden Neubau- und Umbauprojekten gilt es Prioritäten für eine sichere Stromversorgung gemeinsam zu setzten und Ausschreibungen für Wartung und Instandhaltung unter Einbeziehung aller Interessen wohlüberlegt zu konzipieren.
Guido Schmitt, seit 2012 Verantwortliche Elektrofachkraft für elektrische Anlagen der Infrastrukturellen Stromversorgung in der Universitätsmedizin Frankfurt, konnte die Infrastrukturelle Stromversorgung „seines“ Klinikums über die langen Jahre seiner Tätigkeit so redundant umsetzen, dass sämtliche Anlagen im laufenden Betrieb gewartet werden können. Wo immer Techniker Hand anlegen, nimmt der Strom einen als Alternative von Anfang an mitgeplanten anderen Weg. Trafos sind dazu in der Uniklinik Frankfurt zum Beispiel immer nur zu ca. 60 Prozent ausgelastet. So haben sie bei Bedarf Kapazitäten für umgelegte Schaltungen frei. Der medizinische Betrieb profitiert von dieser „Großzügigkeit“, indem er von Wartungsarbeiten, oder im Wort Case auch von Störungen in keiner Weise beeinträchtig ist.
Wer schreibt bleibt
Im FKT-Online-Seminar „Infrastrukturelle Stromversorgung sicher betreiben - Planung, Betrieb und Prüfung elektrischer Anlagen aus Betreibersicht/verantwortliche Elektrofachkraft“ erörtert Schmitt insbesondere auch die unzähligen Dokumentationspflichten, die mit einem rechtssicheren Betrieb der Infrastrukturellen Stromversorgung einhergehen: Beginnend mit der korrekten Bestellung einer geeigneten Person – ein Meister, Techniker oder Ingenieur- zur Verantwortlichen Elektrofachkraft über die Auswahl, Qualifikation und laufende Fortbildung Befähigter Fachkräfte bis hin zu umfassenden Gefährdungsbeurteilung der Infrastrukturellen Stromversorgung. Ein Nachweis, dass die der VEFK zugeordneten technischen Anlagen gemäß dem beschriebenem Aufgabengebiet betrieben und somit „bedient /geschaltet“ werden können, ist bei der Bestellung der VEFK ein wesentlicher Aspekt.
Besonders legte Schmitt den mehr als 100 Teilnehmern der Online-Veranstaltung seine Vorlagen für Tiefbauarbeiten an Medientrassen ans Herz. Kurz gesagt: An der Uniklinik Frankfurt buddelt niemand ein Loch, ohne vorher abgeklärt zu haben, wo und wie tief er graben darf. In diesem Szenario nimmt die Verantwortliche Elektrofachkraft eine Sonderstellung ein. Nur sie darf nachgeordnete Mitarbeiter für Tätigkeiten an der Infrastrukturellen Stromversorgung anweisen oder diese selbst durchführen. Dritte, nicht in die Anlagentechnik eingewiesene Vorgesetzte oder Mitarbeiter dürfen in Bezug auf die Infrastrukturelle Stromversorgung keine Arbeitsanweisungen und Arbeitsaufträge erteilen, da sie nicht über die erforderliche Anlagenkenntnis verfügen. Damit hat die VEFK die absolute Hoheit über den Stromfluss in der Klinik.
Seine langjährige Erfahrung stellte Schmitt den Teilnehmern des Webinars nicht nur in Forum unzähliger technischer Kniffe zu Verfügung. In erster Linie offerierte er bereitwillig ein schier unerschöpfliches Werk an Mustern für Bestellungen, Checklisten, Übersichten über Regelwerke, Risikobewertungen, Prüfungs- und Wartungsprotokollen, …
FKT-, ÖVKT- und IHS-Mitgliedern stehen die Aufzeichnung des Webinars, die umfassende Präsentation und ein Teil der gezeigten Formulare auf der Wissensdatenbank Technik im Gesundheitswesen zur Verfügung.
Maria Thalmayr