FKT-Online-Seminar: Lüftungsanlagen in Kliniken optimal betreiben

Lüftungsanlagen verbrauchen in Krankenhäusern 30 bis 50 Prozent der eingesetzten Gesamtenergie. Selten werden sie optimal betrieben, bieten entsprechend großes Einsparpotenzial. Kleinere Optimierungsmaßnahmen sind mitunter nur Einstellungssache, größere amortisieren sich oft innerhalb von nur ein bis zwei Jahren. Also ran an den Speck!

Würden sämtliche Kliniken Deutschlands die Einsparpotenziale ihrer Lüftungsanlagen realisieren, ließen sich jährlich über den Daumen gepeilt 171 GWh Strom und damit rund 62 Kt Co2 einsparen. Diese beachtliche Zahl stellte Andreas Wartha beim FKT-Online-Seminar „Lüftungsanlagen in Kliniken optimal betreiben: Zwischen Pflicht, Hygiene, Energieeffizienz und Kostendruck“ in den Raum. Der Geschäftsführer von ProActiveAir hat diesen Wert auf Basis konkreter, bereits umgesetzter Projekte hochgerechnet: Kliniken in Deutschland, die ihre Lüftungsanlagen auf Vordermann brachten und dadurch enorm Energie einsparen – mitunter mehr als die Hälfte des vorherigen Verbrauchs.

Diffuse Anlagenzustände sind nicht nur eine Effizienzproblem

Klimaanlagen sind komplexe Systeme. Entsprechend vielfältig sind die möglichen Ursachen für einen ineffizienten und gleichzeitig oft auch unsicheren, von den rechtlichen Vorgaben abweichenden Betrieb. Das Grundproblem seien in fast allen Kliniken diffuse Anlagenzustände, führte Wartha aus: „Komponenten werden oft nicht ausreichend überprüft, gewartet und durchgecheckt, um Schwachstellen überhaupt erkennen und beheben zu können. Damit schleichen sich auch bei vermeintlich neuen Anlagen schnell multiple funktionale Mankos ein.“ Das sei nicht nur energetisch, sondern oft auch hygienisch problematisch und gehe für die Gebäudenutzer mit Komfortverlusten, im ungünstigsten Fall auch mit gesundheitlichen Risiken einher. Ursache dafür sei weniger mangelndes Problembewusstsein als vielmehr fehlendes qualifiziertes Personal, Kosten- und Zeitdruck. Auch, dass man mit der Wartung von RLT-Anlagen und ihrer Komponenten beauftragten Dienstleistern auf die Finger schauen sollte, haben viele Betreiber nicht auf den Schirm.

Und so sind dann eben Brandschutzklappen in vielen Häusern nicht geprüft oder trotz Prüfung nicht gängig, nicht registrierte gefallene Klappen erzeugen ebenso Druckverluste wie abgenutzte Dichtungen, verstopfte Wärmetauscher, undichte Kanäle oder defekte Regler. Zu große Kanäle und zu kleine Filterflächen tragen zusätzlich zur Ineffizienz der Systeme bei. Wärmerückgewinnungsanlagen sind in vielen Kliniken im Einsatz, selten werden jedoch deren Wirkungsgrade überprüft oder Heiz- bzw. Kälteregister gemessen. Viele Klimaanlagen laufen dadurch am Limit, verbrauchen nicht nur unnötig viel Energie, sondern werden damit auch auf maximalem Verschleiß gefahren. Die möglichen Ansatzpunkte für Verbesserungen sind so zahlreich wie die aufgeführten Schwachstellen. Voraussetzung sie zu heben, ist Transparenz über die Anlagen und ihre Schwachstellen.

Bedarfsgerechter Betrieb mit modernen Systemen

Ein ohne großen Aufwand umsetzbarer Ansatzpunkt für mehr Effizienz von RLT-Anlagen ist ein bedarfsgerechter Betrieb. „Prüfen Sie, wo und ob tatsächlich ein Dauerbetrieb erforderlich ist. Fahren Sie die Anlagen in der betriebsfreien Zeit herunter oder schalten Sie ganz ab und treffen Sie geeignete Qualitätssicherungsmaßnahmen, um diese Maßnahme abzusichern“, riet Wartha. Einen großen Hebel sieht der Lüftungsexperte ferner im Austausch alter, oft sehr großer Lüftungsmotoren durch mehrere kleinere moderne Retrofitantriebe. Diese seien nicht nur effizienter, sondern erhöhen durch die auf diese Weise entstehenden Redundanzen ganz nebenbei die Anlagensicherheit und vermindern den Verschleiß.

Als weitere, sehr wirksame mögliche Optimierungsmaßnahme präsentierte Wartha ein Verfahren zur Verklumpung von Partikeln im Kanal mit Hilfe von Ionisation. Weil sich dadurch nur noch weniger und entsprechend größere Partikel im Luftstrom befinden, müssen die Filter nicht mehr so fein sein. Der Druck in der Anlage und damit auch der Energieverbrauch reduzieren sich auf diese Weise erheblich.

Wenig Aufwand, große Wirkung

Co-Referent Klaus Uetrecht, Technischer Leiter im Diakonieklinikum in Stuttgart, hat für sein Haus beides getestet: Den Austausch eines großen Motors durch Retrofitmotoren und das Ionisationsverfahren für die Partikel im Luftstrom – zunächst im nichtmedizinischen Bereich, um Vertrauen in das System zu gewinnen. Als flankierende Maßnahmen wurden die Einstellungen der Klappen überprüft sowie Wärmerückgewinnungssysteme repariert und optimal eingestellt. In der Summe hat Uetrecht so Einsparungen von rund 50 Prozent erzielt bei gleichzeitig verbesserter Partikelabscheidung. By the way erhöhte diese Modernisierungsmaßnahme die Analgensicherheit, was vor allem für die Klinikküche von großer Bedeutung ist. „Die Amortisationszeit war mit eineinhalb Jahren denkbar kurz“, berichtet der langjährige Technische Leiter. Auch der Aufwand für den Umbau halte sich in Grenzen, ergänzt Wartha. In vielen Häusern lassen sich Maßnahmen wie diese quasi über Nacht realisieren und ersparen mit überschaubarem Aufwand mitunter den Bau ganzer Neuanlagen für Gebäudeerweiterungen.

Maria Thalmayr

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